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Geoemyda spengleri

Die chinesische Zackenerdschildkröte

Einleitung

 

Die Zacken-Erdschildkröte, Geoemyda spengleri, lebt in den feuchten und kühlen Bergregenwäldern von Süd-China, Nord- und Zentral-Vietnam bis zu einer Höhe von 1.200 m. Sie ernährt sich räuberisch und erbeutet zahlreiche Wirbellose wie Schnecken, Regenwürmer und Insekten. Dabei ist sie durch ihre Form und Färbung sehr gut getarnt und nur schwer in der Laubschicht des Waldbodens zu entdecken (Schilde 2004, Schaefer 2005, Vetter 2006).

 

adultes Männchen von g.spengleri

Schutzstatus

 

Geoemyda spengleriist in ihrem Lebensraum bedroht. Neben der Zerstörung ihres Lebensraumes dezimiert ins besondere das Absammeln für die chinesischen Lebensmittelmärkte und die Verwendung für zweifelhafte medizinische Zwecke, ebenfalls in China, die Bestände in der Natur.

 

Seit 2013 wird Sie nun in Anhang II des

Washingtoner Artenschutzabkommens und in Anhang B der

EG-Verordnung 750/2013 geführt.

Das heißt nun, daß Geoemyda spengleri auf der zuständigen Naturschutzbehörde gemeldet werden muß! 

Haltung

Je nach Standort des Terrariums hält man Zackenerdschildkröten am besten in nach oben offenen oder auch in geschlossen Behältern. So ein Behälter sollte ca. 100 x 50 cm Grundfläche haben. Wichtig ist, daß man den Tieren eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit
( ca. 80 % ) darin bietet. Diese erreicht man in normalen Wohnräumen nur in geschlossenen Behältern. 

 

Als Bodengrund hat sich Laubwalderde gemischt mit Kokosfasersubstrat bei mir gut bewehrt. Um die Feuchtigkeit besser zu halten, kann man unter der Erde noch eine Schicht Blähton ( Gartenfachmarkt ) mit einbringen. Die Erde muß ca. 10 cm hoch eingefüllt werden, um ein durchmischen der beiden Schichten zu verhindern.

Bepflanzt wird das Terrarium mit verschiedenen, feuchtigkeitsliebenden, tropischen Pflanzen wie z.B. Farnen (Adiantum capillus-veneris), und Lilien (Agavoideae). Für das Wohlbefinden der Tiere ist eine dicke Schicht aus zerfasertem Moos gemischt mit Laub – blättern unbedingt erforderlich. Diese kann zu gut 2/3 den Boden bedecken. Eine große, flache Wasserschalen darf nicht fehlen. Am besten eignen sich glasierte Blumenuntersetzter aus Ton, in dem die Schildkröten bequem Platz haben. Selbstverständlich müssen diese täglich gereinigt werden.

Als Licht – und Wärmequelle verwende ich 40W Spotstrahler kombiniert mit Tageslichtlampen. Auf diese Weise erreiche ich je nach Jahreszeit Temperaturen zwischen 21 – 28 °C. Vor allem die Weibchen sieht man im Frühjahr vor der Eiablage, aber auch nach der Fütterung oft beim Sonnenbaden. Zu grelles Licht sollte allerdings vermieden werden.

2 jähriges Jungtier der chinesischen Zackenerdschildkröte

Gruppen- und Einzelhaltung

 

Die Männchen sind untereinander sehr unverträglich und werden daher jeweils in einem eigenen Becken gepflegt. Bei Weibchen muss während einer gemeinschaftlichen Haltung mehrerer Exemplare das Verhalten äußerst genau beobachten werden, um im Zweifelsfall schnell zu reagieren und mögliche Verletzungen und weiteren Stress zu verhindern. In einem ausreichend großen und gut strukturierten Terrarium können durchaus zwei bis drei Weibchen gehalten werden. Wichtig ist dabei, dass die Schildkröten Rückzugsmöglichkeiten zum Ruhen und Verstecken haben. Wird ein Exemplar unterdrückt oder stellt gar die Nahrungsaufnahme ein, muss es sofort separiert werden

Jahresrhythmus und Winterruhe

 

Alle von mir gehaltenen Geoemyda spengleri überwintern in ihren Terrarien. Anfang bis Mitte Februar schalte ich die Raumheizung an. Die Grundtemperatur beträgt zu dieser Zeit etwa 15 °C. Je nach Außentemperatur und Sonnenstand im zeitigen Frühjahr erwärmt sich das Haus auf 20-25 °C. Zusätzlich sind nach der Winterruhe die Spotstrahler für täglich sechs Stunden in Betrieb; sie sorgen lokal für kleine Wärmeinseln. Unter diesen Bedingungen werden die Zackenerdschildkröten bis März immer aktiver und beginnen schon bald mit der Nahrungsaufnahme. Ab diesem Zeitpunkt werden die Terrarien wieder täglich ausgiebig übersprüht. Die Betriebsdauer der Wärmestrahler wird etwa wöchentlich um ein Stunde erhöht, um im Juni bzw. Juli ihr Maximum von zwölf bis 13 Stunden zu erreichen. Die Grundtemperaturen steigen nun auch durch die wärmeren Außentemperaturen auf etwa 24-28°C. An sehr heißen Tagen im Hochsommer übersprühe ich die Becken zwei bis drei Mal täglich.

Ab September sinken die Temperaturen langsam. Insbesondere die Nächte werden nun auch deutlich kälter. Im natürlichen Lebensraum von Geoemyda spengleri wird es zu dieser Zeit etwas trockner. Die meisten Niederschläge im vietnamesischen Tam Tao Gebirge gibt es von April bis September (Schaefer 2005). Deshalb reduziere ich ab Ende September das tägliche Sprühen. Dabei achte ich darauf, dass Erde und Torfmoos lediglich etwas ab- und nicht vollständig austrocknen. Von Ende Oktober bis Ende November sprühe ich nur noch alle zwei Tage. Gleichzeitig sinkt die Temperatur, und die Betriebsdauer der Wärmestrahler wird vom sommerlichen Maximum wöchentlich auf etwa drei bis vier Stunden täglich minimiert. Zu diesem Zeitpunkt sind die Schildkröten schon sehr träge und nehmen kaum noch Nahrung an. Anfang Dezember schalte ich alle Lampen aus, und die letzten Geoemyda spengleri vergraben sich im feuchten Moos. Von Dezember bis Mitte Februar werden die Terrarien nicht übersprüht. Gelegentlich feuchte ich den Boden und das Moos direkt mit der Gießkanne nach. Des Weiteren lege ich noch reichlich frisches Herbstlaub in die Becken bzw. vermische es mit dem Sphagnum. Dies dient den Schildkröten zur besseren Deckung und hält die Feuchtigkeit gut im Bodengrund.

Die Temperatur beträgt in dieser Zeit etwa 8-12 °C.

Fortpflanzung

 

Im zeitigen Frühjahr, wenn alle Zacken-Erdschildkröten wieder aktiv sind, gefressen und gebadet haben, setzt man ein Männchen zu den Weibchen. Nun geht alles recht schnell: Das Männchen spürt das Weibchen sofort auf. Mit starrem Blick und weit ausgestrecktem Hals stehen sich die Geschlechtspartner gegenüber. Das männliche Exemplar versucht, sich langsam dem Weibchen zu nähern; dabei dreht es sich seitlich um 180° zu seiner Auserwählten. Ist sie paarungsbereit, lässt die Geschlechtspartnerin das Männchen aufreiten. Läuft das Weibchen dagegen hektisch davon und versucht, sich zu verstecken, sollte man das Männchen wieder heraus nehmen und startet den Verpaarungsversuch einige Tage später erneut.

Mitte bis Ende April ist den Weibchen eine deutliche Unruhe anzusehen. Sie laufen ausdauernd im Terrarium umher und zeigen deutlich weniger Appetit. Dies ist meist ein sicheres Zeichen für die bevorstehende Eiablage. Die Weibchen beginnen mit dem Ausheben einer flachen Nistgrube  in den frühen Abendstunden nach dem Abschalten der Beleuchtung. Die Weibchen legen in der Regel ein einzelnes Ei; gelegentlich gibt es auch Gelege mit zwei Eiern.

Nachdem das Ei durch die Kloake herausgepresst wurde, wird es mithilfe der Hinterbeine vorsichtig in die zuvor vorbereitete angelegte flache Mulde gedrückt. Anschließend deckt das Weibchen den Nistplatz sehr akribisch mit Moos und halbverrottetem Laub ab. Ist die kräftezehrende Eiablage beendet, sucht die Schildkröte dann sofort die Wasserschale auf, um ausgiebig darin zu trinken. Im Abstand von etwa vier Wochen können weitere Eiablagen folgen.

 

 

weibliche geoemyda spengleri

 

Inkubation und Schlupf

 

Nach erfolgreicher Eiablage nehme ich dann die Eier herraus und lege sie in einen Inkubator. Dieser besteht aus einer Plastikschachtel, gefüllt mit feuchtem Moos. Der Inkubator steht auf den Terrarien der Alttiere und hat somit die gleichen Temperaturen. Die Inkubationsdauer beträgt ca. 80 - 90 Tage.

1jährige, 2jährige und adulte Zackenerdschildkröte
typische Tannenbaumzeichnung

Aufzucht

 

Nachdem eine kleine Zacken-Erdschildkröte das Ei verlassen hat, was durchaus bis zu zwei Tagen dauern kann, setze ich sie in ein vorbereitetes Aufzuchtbecken. Dieses misst 60x 30 x 30 cm. Ich verwende grundsätzlich geschlossene Terrarien, da die Jungtiere eine sehr hohe Substrat- und Luftfeuchtigkeit benötigen, die in den oben geschlossenen Terrarien besser geboten werden kann als in oben offenen Becken. Als Bodengrund dient wiederum eine Schicht Blähton zur Wasseraufnahme bzw. -abgabe. Darauf liegt ein Kokosfaser-Walderde-Gemisch, dessen Grundfläche ich zu mindestens zwei Dritteln mit reichlich Sphagnum abdecke. Eine kleine flache Wasserschale zum Baden und Trinken vervollständigt die Ausstattung. Das Aufzuchtterrarium steht in der Nähe der Becken der adulten Geoemyda spengleri.

Durch die günstigen Licht- und Wärmebedingungen in meinem Haus

erreiche ich ohne künstliche Lichtquelle im Aufzuchtbecken je nach Wetter und Jahreszeit eine Temperatur von 22-28 °C. Lediglich an sehr kühlen Tagen schalte ich für einige Stunden einen Wärmestrahler hinzu. Anfangs sind die kleinen Zacken-Erdschildkröten sehr scheu. Deshalb gebe ich als Nahrung kleine Regenwürmer, kleine Grillen und Kellerasseln ins Terrarium. Die Schildkröten lernen schnell und fangen die Beutetiere sehr bald selbstständig.

Die Winterruhe findet, genau wie bei den adulten Exemplaren, von Dezember bis Anfang Februar im Terrarium statt. In einem solchen Aufzuchtterrarium bleiben die Jungtiere etwa ein Jahr. Danach werden sie in größere Becken umgesetzt. Nach dieser Zeit beträgt ihr Gewicht etwa 15-20 g.

 

 

Terrarium für die Aufzucht kleiner G. spengleri

Ernährung

 

Die Zacken-Erdschildkröten werden hauptsächlich mit Lebendfutter ernährt. So kann man im Zoohandel das ganze Jahr über verschiedene Futterinsekten wie Schwarzkäferlarven (Zophobas), Grillen, Heimchen, Wanderheuschrecken, Regenwürmer und äußerst selten Mehlkäferlarven („Mehlwürmer“). Bei den Futtertieren sollte man stets auf eine sehr gute Qualität achten. Vor dem Verfüttern bietet man  ihnen täglich Möhren- und Apfelstückchen, Löwenzahn, Spirulina-Algen, Haferflocken u.v.m. Vor allem die Mehlwürmer können durch die Spirulina, wie sie im Zoohandel für Zierfische angeboten werden, deutlich aufgewertet werden.

Zusätzlich biete ich den Schildkröten gelegentlich gefrostete und aufgetaute Mäusebabys an. Manche Geoemyda spengleri öffnen ihr Maul auch bei Fisch oder Garnelen. In Sommer stehen zudem selbst gefangene Kellerasseln, Regenwürmer, Falter, Nackt- und Gehäuseschnecken auf dem Speiseplan. Die Schildkröten werden im Sommerhalbjahr nahezu täglich gefüttert. Ab September werden die Futtergaben allmählich verringert und während der Winterruhe komplett eingestellt.

eigener Artikel zur Haltung und Pflege von Geoemyda spengleri

 

RADIATA Heft Nr.: 3-2012

 

zu bestellen ist dieses Heft über die D.G.H.T Geschäftsstelle

 

Email:  s.höfler-thierfeldt@t-online.de

Artporträt von Ester Laue
Beschreibung zum Bau eines Terrariums für G.spengleri von Esther Laue
Porträt der Zacken-Erdschildkröte.pdf
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